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Angeln auf Mallorca
Liebe
Boardies,
rechtzeitig vor dem Sommer möchte ich den
interessierten Petrijüngern unter Euch ein paar
Tipps für ein Urlaubsziel geben, das bislang nicht
gerade als Angelparadies Schlagzeilen gemacht hat:
Mallorca! Auf der Insel der Deppenkönige,
Pauschalballermänner und Sangriakavaliere, die sich
kontinuierlich mit ihrem persönlichen Engagement
darum verdient machen, dass wir als ihre Landsleute
dort ein gleichbleibend niedriges Ansehen genießen,
kann man allen Vorurteilen zum Trotz hervorragend
Individualurlaub machen. Abseits von El Arenal gibt
es viel Kultur, wunderschöne Küstenabschnitte,
verträumte Örtchen und die malerischen Gebirgsketten
der Tramuntana, die dem Reisenden eine vielseitige
Erholung während seines Aufenthalts bieten. Aber
hier wäre nicht der richtige Ort, um über unsere
zahlreichen Aktivitäten während unseres
Malle-Urlaubs zu berichten: Thema Nr.1 – das Angeln
– war dort zwar eine Nebensache, über die es sich
aber dennoch zu berichten lohnt.
Die
wenigen vorhandenen Informationen (z. B. der Artikel
von Stephan Gockel im Blinker 11/2007) und
Halbweisheiten, die zum Thema „Angeln auf Malle“
erhältlich sind, weckten bei mir die Idee, meine
persönlichen Erfahrungen in diesem Beitrag
niederzulegen, um nachfolgenden Urlaubsanglern den
Zugang zu den notwendigen Angelpapieren zu
vereinfachen und ein paar Tipps zu geben. Zeit ist
im Urlaub doppelt kostbar und eine verständnisvolle
Ehefrau oder Familie ist vonnöten, die in der
schönsten Zeit des Jahres den Langmut aufbringt, um
zusammen mit dem angelnden Partner im
Einbahnstraßen-Dschungel von Palmas Innenstadt die
Fischereibehörde zu suchen und den Weg durch die
Bürokratie anzutreten. Wer von uns kennt nicht die
allfälligen Killerphrasen wie z. B. „Wie? Im Urlaub
willst du auch noch angeln? Du gehst doch Zuhause
schon so oft!“ und ähnliche Betroffenheitslyrik.
Deshalb
möchte ich mich mit einigen Fotos vom Ort des
Geschehens den wichtigsten Fragen widmen:
Wo erhält
man den Angelschein?
Welche
grundlegenden Regeln gelten für die Angelfischerei
auf Malle?
Wo kann
man welche Fische fangen?
Welches
Gerät und welche Köder eignen sich?
1.) Wo
erhält man den Angelschein?
Entgegen
allen landläufigen Gerüchten benötigt man auf Malle
auch zum Angeln im Meer vom Ufer aus einen
Angelschein (Licencia de pesca recreativa). Darüber
mag man verärgert sein, um sich dann aber sogleich
daran zu erinnern, dass ein Spanier in Deutschland
in keinem öffentlichem Gewässer ohne
Fischereierlaubnis angeln darf und in den meisten
Fällen wegen des in aller Regel nicht vorhandenen
Fischereischeins auch keine erhält. Eine löbliche
Ausnahme davon bildet lediglich der
Touristen-Fischereischein für das Angeln in der
Ostsee der in Meck-Pomm eingeführt worden ist und
dort in jeder Touristeninformation ohne Vorlage
eines Fischereischeins von unseren ausländischen
Gästen erworben werden kann. Zurück nach Malle: Den
Angelschein für das Angeln im Meer bekommt man in
der Conselleria d’Agricultura i Pesca in der Calle
de Foners 10, 07006 Palma, Tel. 0034-971-176100
Es
empfiehlt sich übrigens nicht, ohne Lizenz zu
angeln. Die Guardia Civil konfisziert im schlimmsten
Fall nicht nur das Angelgerät, sondern sorgt auch
für eine saftige Geldstrafe. An Molen und Häfen
patrouilliert sie besonders gern. Wer ein Navi mit
europaweiter Routenführung hat, ist klar im Vorteil
und sollte es mitnehmen. Unseres hat uns sicher
durch Palma bis vor die Tür der Behörde gelotst und
uns viel Stress und Zeit gespart. Eines vorweg: Alle
Formulare, die man ausfüllen muss, sind natürlich in
Spanisch gehalten, die Bediensteten sprechen
bestenfalls leidlich Englisch oder eben Spanisch und
die Info-Broschüre über die Regularien für die
Sportangelei ist selbstredend ebenfalls in Spanisch
verfasst. Da nicht jeder des Spanischen mächtig ist,
habe ich alle Formulare und den Ablauf eingescannt,
so dass Ihr Muster habt, mit deren Hilfe Ihr Eure
Anträge einfach ausfüllen könnt.
Zunächst
ist das Antragsformular (Solicitud de licencia de
pesca recreativa maritima) auszufüllen. Hier sind
Name, Geburtstag, Nummer des Personalausweises und
die Adresse einzutragen, unter der man am Urlaubsort
wohnt.
Man wird
dann mit einem Zahlungsformular mit der Bezeichnung
„Altres ingressos, Model 046, Declaració –
Liquidació“ zur Bank geschickt, das man ebenfalls
ausfüllen muss.
Der
Schein ist ab Ausstellungsdatum für zwei Jahre
gültig. Das nutzt einem zwar nichts, wenn man nicht
gerade Stammurlauber auf Malle ist und seinen
Jahresurlaub dort turnusmäßig verbringt; angesichts
des Verwaltungsaufwands und der guten Fangaussichten
ist die Gebühr von 12,71€ aber trotzdem eher von
symbolischem Charakter. Wer vom Boot aus angeln
will, muss zusätzliche Angaben machen und der Preis
ist etwas höher (30,-€ bei Boot bis 6m Länge, 55,17€
bei größerem Boot). Gleiches gilt für das
Harpunieren von Fischen beim Tauchen (14,94€).
2.)
Welche grundlegenden Regeln gelten für die
Angelfischerei auf Malle?
Ein paar
Regeln gibt es tatsächlich, aber eigentlich sind
auch diese recht liberal. Sie sind in einer
Broschüre abgedruckt, die man in der
Fischereibehörde ausgehändigt bekommt.

Die
wichtigsten Grundlagen: Es gibt Mindestmaße für
einige Fische, die in der Broschüre aufgelistet
sind. Die Übersetzung der Namen sollte man sich
vorher im Internet besorgen oder eine Karte nehmen,
auf der die Bilder der Fische mit Namen in Farbe
abgedruckt sind, um sie den Mindestmaßen zuordnen zu
können, denn die Kenntnis der einzelnen Fischarten
wird in der Broschüre vorausgesetzt. Wer also nicht
nach eigenem Gusto Fische entnehmen will, sondern
konform zu den Vorgaben, der sollte sich vor Ort ein
entsprechendes Faltblatt zur Artenbestimmung
besorgen. Ich habe eins in der Behörde hängen sehen,
weiß nicht, ob es sie dort zu kaufen gibt, sonst
sicher in einer der Büchereien in Palma oder im
Internet. Allerdings habe ich die Fische, die ich
gefangen habe, alle sicher bestimmen können und mit
Augenmaß Entnahme betrieben. Damit ist man immer auf
der sicheren Seite.
Das
Angeln in den Häfen ist leider verboten, ebenso in
den ausgewiesenen Nationalparkzonen, zu denen z. B.
auch die Insel Sa Dragonera gehört. Von
ausgewiesenen Badestränden ist ein Abstand von 100 m
einzuhalten, von Netzen der Berufsfischer 250 m. Das
Angeln ist mit maximal 2 Ruten erlaubt.
3.) Wo
kann man welche Fische fangen?
Das
Artenspektrum ist sehr vielfältig. Es gibt
Barrakudas, Rochen, Palometas und verschiedene
Thunfischarten, Wolfsbarsche und anderes Großwild.
Wer eine kleine Meeräsche von 15 cm an der
Hechtmontage (mit Stahlvorfach) in der Hafeneinfahrt
tanzen lässt, wird in der Dämmerung sicher nicht
lange auf den Einschlag warten müssen, denn auch in
den Hafenbecken sieht man immer wieder mal
Barrakudas bis zu 65 cm Größe aus dem Nichts der
blau-türkisfarbenen Tiefe auftauchen und wieder
darin verschwinden. An trüben Tagen, am besten wenn
das Meer nach einem Sturm zusätzlich aufgewühlt ist,
lohnt sich auch ein Versuch mit Kunstködern (tieftauchende
Wobbler, schlanke Meeresblinker in Silber), die man
ansonsten nicht unbedingt zu den Bringern zählen
kann.
Die
häufigsten Fische sind jedoch die diversen Arten von
Meerbrassen, Barsche, Meeräschen, Sardinen und
Hornhechte. Im Einzelnen kann ich Folgendes
berichten:
a)
Meeräschen
Diese
Viecher sind schwierig zu fangen. Sie sind zwar
küchentauglich, allerdings fressen sie z. B. in
Häfen die Algen, die an Schiffen wuchern und nehmen
damit auch Lackrückstände und andere Chemikalien
auf. Insgesamt ist das Angeln auf Meeräschen eher
frustran. Wer eine Schlaufe mit mehreren 14er
Drillingen um ein Stück Weißbrot legt, etwas mit
diesem Brot anfüttert und die Scheibe auf dem Wasser
treiben lässt, fängt seine Fische ebenso wie mit
Wasserkugel, 018er Schnur, 1,5m gefettetem Vorfach
und einem dünndrahtigen, nadelscharfen 12er Häkchen,
das in einem kleinen Würfel Toast versteckt ist. Wo
Meeräschen an das Füttern gewöhnt sind, sind sie
etwas unkritischer (Häfen, Strände), dafür ist das
Angeln dort allerdings auch in der Regel verboten.
Der Anhieb sollte kräftig sein, da Meeräschen ein
mit Knorpelplatten besetztes, hartes Maul haben,
also ruhig ordentlich andreschen, damit der Haken
sitzt. Wenn der gehakte Fisch auch nur oberhalb von
40 cm groß ist, freut Euch auf einen guten Drill,
denn Meeräschen sind unglaublich kampfstark.
b)
Hornhechte
In meinem
Urlaub waren sie nicht so zahlreich vorhanden.
Während es mit den Hornhechten an der Ostsee
zwischen Mai und Juli wie am Forellenpuff zugeht,
lässt sich das von Malle im Oktober durchaus nicht
behaupten. Vielleicht war ich zur falschen
Jahreszeit da. An den Hafeneinfahrten und von den
Außenmolen aus macht ein Versuch aber durchaus Sinn.

Man kann
sie mit Wasserkugel und Fischfetzen fangen, ein 8er
Haken mit einem 3-4 cm langen Fischfetzen ist dafür
gut geeignet. Das Vorfach sollte ca. 1 - 1,5 m tief
stehen. Langsames Einholen mit regelmäßigen Stopps
erhöht die Fangaussichten. Mehr Spaß hat man beim
Blinkern. Ich habe mit einem silbernen Abu Toby in
18 g und einem Nachläuferdrilling gute Erfahrung
gemacht. Dabei wird an den Sprengring des Drillings
zusätzlich ein ca. 10 cm langes Stück monofiler
0,35er Schnur angeknotet und daran ein weiterer 10er
oder 12er Drilling. Da Hornhechte ein schmales Maul
haben, bekommt man oft Fehlbisse. Mit der
Nachläufermontage reduziert man die Zahl der
Fehlbisse aber ganz deutlich! Der Blinker muss
unmittelbar nach dem Auswerfen (rauspflastern was
das Zeug hält!) mit zügiger Geschwindigkeit und
gelegentlichen kurzen Spinnstops unter der
Oberfläche eingeholt werden. Die Attacken sind nicht
zu verpassen und wenn es richtig rummst, hängt ein
Barrakuda drauf, dann viel Vergnügen J.
c)
Meerbrassen
Brotfische der Mittelmeerangler sind in der
Hauptsache sicherlich die zahlreichen verschiedenen
Arten von Meerbrassen. Sehr häufig sind Pargos,
Marmorbrassen und Oratas. Sie sind alle sehr
fleischig und äußerst wohlschmeckend , so dass es
sich bereits lohnt, Exemplare ab 15 cm mitzunehmen,
zumal diese Fische nicht viele Gräten haben. Aus
diesem Grund habe ich fast ausschließlich auf
Meerbrassen geangelt. Man fängt sie überall, wo das
Wasser in der Nähe von Felsen auf 4-5 m Tiefe und
darunter abfällt. Meine Top-Stelle für Doraden war
die Außenmole des Hafens Port Andratx. Dort befindet
sich am Molenfuß ein Sockel aus Beton, in den sogar
Löcher gefräst sind, in die man die Brandungsruten
stecken kann.

Die
Stelle gibt einem fast eine Fanggarantie, obwohl der
Befischungsdruck hier enorm ist. Viele Felsen und
Buchten mit Übergang zum tiefen Wasser sind aber
ebenso gut geeignet, wenn Gerät und Köder stimmen (s.u.
4.).

Allerdings kann ich nur empfehlen, die frühen
Morgenstunden oder die Dämmerung und die
Nachtstunden zum Angeln zu wählen. Grund dafür sind
die deutlich erhöhten Fangaussichten in Bezug auf
größere Fische und die Chance, andere Plagegeister
vom Haken fernzuhalten. Sobald das Tageslicht
erscheint, interessiert sich nämlich auch eine
Vielzahl von Kleinfischen, die meine Frau und ich
liebevoll unter dem Sammelbegriff „kleine Verrecker“
zusammengefasst haben, für unsere Köder, und das
nervt unglaublich. Kleine Oratas, Schriftbarsche
(diese kleinen Kerlchen werden selten größer als 15
cm, haben aber ein Maul zum Verschlucken von Fischen
der annährend gleichen Größe) und Lippfische wie der
Meerjunker schlingen jeden Haken hinunter und
dezimieren unsere Köder, ohne dass die Frage nach
dem Abendessen dadurch geregelt wird. Meist bezahlen
sie für ihre Gier mit dem Leben, da sie den Haken
bis zum Mastdarm inhalieren.
d)
Forellen und mehr
Wer im
Süßwasser angeln möchte, kann auch dies auf Malle
tun. Für 20,-€ bekommt man einen Angelschein, mit
dem man in den Stauseen von Gorg Blau und Cuber
angeln kann. Er wird von einer netten Rangerin
ausgestellt in der Dirección General de
Biodiversidad in der Calle de Reina Constanza 10,
07006 Palma, die ganz in der Nähe der
Fischereibehörde liegt (s.o. auf der Karte mit „D“
gekennzeichnet).
In den
beiden Stauseen ist das Angeln nur gestattet in den
Monaten von April – Juni. Es gibt Forellen und
Karpfen und am Ufer habe ich definitiv auch kleine
Schwarzbarsche gesehen. Ob Zander besetzt worden
sind, weiß ich leider nicht, beide Gewässer würden
sich aber hervorragend dafür eignen.


Der Lago
de Alcúdia, der an der Nordküste bei dem
gleichnamigen Ort liegt, ist ebenfalls mit Forellen
besetzt und darf ganzjährig ausschließlich mit der
Fliege beangelt werden. Die Tageskarte kann in der
Dirección General de Biodiversidad für 10,31€
erworben werden.
4.)
Welches Gerät und welche Köder eignen sich?
Tipp:
Bringt Euer Angelzeug komplett aus Deutschland mit.
Urlaubszeit mit dem Einkauf von Angelzeug zu
verschwenden, ist nirgends so fruchtlos wie auf
Malle. Erstmal findet man nicht ohne Mühe einen
Laden mit Angelzeug. Wenn doch, dann kauft man zu
überhöhten Preisen minderwertiges Gerödel und ärgert
sich ein zweites Mal, wenn man nur stumpfe,
dickdrahtige Haken und irgendeine Wurstkordel ab
0,45 mm aufwärts zu kaufen bekommt. Also kauft man
besser Zuhause beim Angelhändler seines Vertrauens
ein und bringt sein Zeug mit.
Im
Handgepäck hatte ich eine Brandungsrute von 4,5 m
Länge mit Stationärrolle, auf der sich eine 0,15er
geflochtene Fireline befand. Die Rolle muss vor dem
Check-in des Gepäcks in den Koffer. Da Schnur drauf
ist, könnte man theoretisch jemanden damit
erdrosseln und kommt unter Umständen nicht durch die
Sicherheitskontrolle, wenn sie im Handgepäck
aufgefunden wird. Wenn man auf seine Angelrute
angesprochen wird, gibt sich die Security meist mit
der Erklärung cana de pesca (Angelrute) zufrieden
oder man packt sie aus und zeigt sie vor.
Vorgeschaltet war beim Fischen eine 0,35er
Schlagschnur aus Fluocarbon von 2,5m Länge mit einer
0,25er Fluocarbon Mundschnur (Springerknoten) in 30
cm Länge, die ca. 1m oberhalb des 80g Birnenbleis
von der Hauptschnur abging. Damit vermeidet man,
dass der Köder irgendwo im Nichts herumdümpelt. Er
schwebt dann vielmehr oberhalb von Seegraswiesen
verlockend in Sichthöhe für die am Grund stehenden
Meerbrassen.
Die
geflochtene Schnur sorgt mangels jeder
Dehnungsfähigkeit in Kombination mit dem schweren
Blei dafür, dass die Fische sich selbst haken, wenn
sie den Köder genommen haben. Das Fluocarbon ist
nötig, um die schnurscheuen Fische an den Haken zu
bringen. Ich verwendete lasergeschärfte Haken der
Marke Gamakatsu in der Größe 8 oder 6, je nach
Köder. Nehmt einen guten Schleifstein mit und
überprüft nach jedem Wurf, ob der Haken noch scharf
ist. Im Kontakt mit Felsen stößt er sich leicht ab,
auch die Mäuler der Fische sind teilweise steinhart
und mit Knorpelplatten besetzt, deswegen müssen die
Haken regelmäßig nachgeschliffen werden.
Wer die
Zähne von Doraden aus der Nähe betrachtet, kann sich
vorstellen, dass sie damit mühelos Krebse und
Garnelen trotz ihrer Panzer und Schalen packen und
grob schreddern, bevor sie sie einfach verschlucken.
Deshalb sollte auch die Mundschnur ab und zu darauf
überprüft werden, ob sie aufgeraut ist und ggf.
ausgetauscht werden. Ich binde mir die
Plättchenhaken selbst, vorgebundene Haken fische ich
aufgrund schlechter Erfahrungen und aus
Kostengründen nicht, aber das muss jeder für sich
entscheiden. Wenn das Meer ruhig ist, kann das Blei
natürlich leichter gewählt werden, 30 – 40 g reichen
bei ruhiger See aus. Die meisten Bisse hatte ich
jedoch stets, wenn das Meer tagsüber unruhig und
stürmisch war. Dann wird am Grund viel Futter
freigespült. Die Fische wissen aus Erfahrung, dass
der Tisch dann reich gedeckt ist und kommen
zahlreich zum Fressen ins flache Wasser. Ich habe
beim Nachtangeln eine Bimmel mit integrierter
Leuchtdiode an die Rutenspitze geklemmt. Da die
Bisse größerer Meerbrassen kräftig sind, rappelt es
richtig und man sieht die Rutenspitze schön
ausschlagen. Nicht gleich beim ersten Bimmeln
anschlagen, lasst den Fisch den Köder richtig
nehmen, wegstecken und sich selbst haken. Wenn der
Fisch sitzt, merkt man das durch das kontinuierliche
Ausschlagen der Rutenspitze, dann kann man ihn
einholen. Die ersten beiden Stunden nach Eintritt
der völligen Dunkelheit waren am besten (Stirnlampe
von Zuhause mitbringen). Ich habe nie eine zweite
Mundschnur an das Vorfach geknüpft, weil es sich
nicht lohnt. Mit einem Haken hat man genug zu tun,
sonst ist man permanent mit dem Beködern zweier
abgefressener Haken beschäftigt. Man verangelt nur
schneller seine Köder, verliert unnütz Zeit und
fängt selten auf beiden Haken gleichzeitig einen
Fisch (Doublette). Das klappt beim Dorsch- und
Schollenangeln an Nord- und Ostsee des Öfteren, auf
Malle habe ich es nicht erlebt.
Einen
Versuch lohnt auch das aktive Angeln. Dazu nimmt man
ein Durchlaufblei von 20 – 40 g Gewicht, ein Vorfach
von ca. 60 – 70 cm und einen Haken der Größe 6 – 2,
je nach Größe der zu erwartenden Fische. Den Köder,
am besten eine Garnele oder ein Stück davon, zieht
man mit einer Ködernadel auf und feuert ihn dann so
weit wie möglich in Richtung Fisch. Man lässt die
Montage bis zum Aufschlag zu Boden sinkt und jiggt
ihn dann mit kleinen Hüpfern über den Grund,. Mit
kleinen Pausen, in denen man den Köder einfach am
Boden liegen lässt, kann man die Montage auch in
Zeitlupe über den Boden schleifend einholen, soweit
Sandboden ohne Hängergefahr vorhanden ist -
Hauptsache, das Blei hat immer wieder mit Pausen bis
zu 10 Sekunden Grundkontakt. Wer nachts an einem
tagsüber bevölkerten Strand auf diese Weise angelt,
wird nicht ohne Fisch nach Hause gehen.
Es wird
immer wieder darüber spekuliert, welche Köder sich
für das Meeresangeln auf Malle besonders eignen.
Notköder können kleine Speckwürfel sein, Brot fällt
leicht vom Haken, aber beide Köder fangen Fische,
wenn nichts anderes zur Hand ist und sind schnell in
jedem Supermarkt zu besorgen. Die Chance, damit
einen pfannentauglichen Fisch zu erbeuten, würde ich
aber eher als unterdurchschnittlich einordnen.
Richtig gut sind dagegen folgende Köder: Pulpos
(kleine Tintenfische), Chipirones (Minicalamares),
Gambas (Garnelen) und Krabben. Je frischer die Köder
sind, desto besser. In den größeren Supermärkten
gibt es Fischtheken, die diese Meeresfrüchte
fangfrisch verkaufen. Man kann sie ca. 3 Tage im
Kühlschrank aufbewahren, ohne dass die Fängigkeit
leidet, danach werden die Köder unbrauchbar. Bei den
Tintenfischen sind maulgerecht geschnittene Stücke
der Tentakeln sehr fängig. Wer nicht in der Nähe zu
einem Supermarkt wohnt und am Ort seiner
Urlaubsunterkunft Zugriff auf ein Gefrierfach hat,
kann sich seine Köder nach einmaligem Einkauf
portionsweise einfrieren und nach Bedarf auftauen,
das ist allemal besser, als sie eine Woche im
Kühlschrank aufzubewahren. Wer sich zudem in einem
Gezeitentümpel kleine Krebse oder Kleinfische mit
einem Kescher fängt, hat erstklassige Angelköder. Am
Riff abgesammelte Leoparden- oder Nacktschnecken
sowie Napfmuscheln, die man vom Felsen lösen kann,
bevor sie sich festsaugen, indem man mit einer
dünnen Messerklinge blitzschnell zwischen
Muschelschalenrand und Fels fährt, halten ebenfalls
gut am Haken. Man kann sie 1-2 Tage mit Meereswasser
in einer großen Wasserflasche im Kühlschrank lebend
aufbewahren.

Falls
Euer diesjähriges Urlaubsziel Malle sein sollte und
Ihr nun vorhabt, dort auch zu angeln, wünsche ich
Euch dabei viel Spaß und Erfolg! Wenn ich mit diesem
Artikel Eure Lust geweckt habe, einmal über Eure
Angelerfahrungen im Urlaub zu berichten, könnte
dieser Beitrag der Auftakt einer wunderbaren Serie
unter dem Motto „Angeln im Urlaub“ werden. Ich würde
mich über eine Fortsetzung sehr freuen und erfahren,
wie z. B. das Angeln in Kroatien, auf Zypern, in der
Türkei oder am Gardasee ist!
Petri
Heil!
Ein
Bericht von Mikeopike, Member bei
http://www.rheinboard.de
Ihr habt ein paar schöne Fotos gemacht?
Dann schreibt doch einen kleinen Bericht dazu.
Wir veröffentlichen gern auch eure Erlebnisse rund
um die Fischwaid
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