
Cottus gobio gobio
Fotos:
www.sfg-gauselfingen.de
Erstaunlichweise wurde (ohne gegenseitige Absprache)
die Koppe, Mühlkoppe oder auch Groppe (Schweiz) in
Deutschland und Oesterreich zum Fisch des Jahres
2006 auserkoren! Bereits 1989 kam der kleine, nur
etwa 16 cm Maximallänge erreichenden Raubfisch
einmal zu dieser Ehre.
Durch die Verbesserung der Wasserqualität in unseren
Fliessgewässern konnte der auf der roten Liste für
austerbende Tierarten geführte Kleinfisch
(Gefährdungsstufe 3) seine Population erheblich
steigern.
Der schuppenlos Körper ist spindelförmig, meist grau
oder hellbraun gefärbt und hat eine unregelmässige,
dunklere Marmorierung mit vier dunklen Querstreifen.
Die Flossen sind überwiegend hellgrau und gefleckt.
Durch diese natürlich Camouflage (Tarnung) sind
Groppen meist schwierig auszumachen. Bevorzugte
Lebensräume sind vor allem die seichten Gebirgs und
Vorgebirgsflüsse und Bäche (Forellen- und
Aeschen-Region) mit gegliedertem, steinigem Grund.
Eine Ausnahme bildet der Bodensee. In einem Teil
dieses Gewässers (Untersee) ist die Groppe seit
jeher fester Bestanteil der Artenvielfalt. Sie
stellt hohe Ansprüche an die Wasserqualität,
bevorzugt grössere Sauerstoffkonzentration und eher
niedrige Wassertemperaturen. Tagsüber versteckt sie
sich unter Steinen, in den Abend- und Nachtstunden
wird sie jedoch aktiv und raubt Insektenlarven und
Bachflohkrebse.

Eine Besonderheit dieser Fischart ist das Fehlen der
Schwimmblase. Ihre Versteck verlassen sie nur, wenn
sie gestört werden, wobei sie sich dann mit kurzen
Sprüngen bis zur nächsten Deckung bewegen. Die
zuweilen bis 8 Jahre alt werdenden Fische laichen
von März bis Mai. Für gewöhnlich legt das Weibchen
die 100 - 300 Eier auf die Unterseite eines Steines
ab. Bis zum Schlüpfen werden sie vom Männchen
behütet. Dieses unterscheidet sich von den Weibchen
durch ihren grösseren Kopf, das breitere Maul und
vor allem durch die röhrchenartig verlängerte
Genitalpapille.
In früheren Jahren wurden die Groppen von den
Fischern als Forellenlaichräuber und
Futterkonkurrenten für die Forellen und andere
Salmoniden angesehen.
Die Koppe ist ein ausgezeichnter Köderfisch für
Gross-Salmoniden. Viele Kunstköder sind
Nachbildungen dieser Fischart.
Der Sportfischer-Gemeinschaft Gauselfingen (siehe
Website http://www.sfg-gauselfingen.de/muehlkoppe_hauptseite.htm)
konnte mit grossem Erfolg diese Fischart in ihrem
Hausgewässer wieder ansiedeln.

Dass „der Gropp“, wie er in der Schweiz genannt wird
(totz seiner geringen Körpergrösse) bis heute „Gschichte
macht“, verdankt er einem „falschen Pabst“! Am
bereits erwähnten Untersee (Teil des Bodensees), in
der Gemeinde Ermatingen, wird seit beinahe 600
Jahren ein Fest zu Ehren dieser Fischart
veranstaltet: Die Groppen-Fasnacht!
Der Ursprung der Ermatinger Groppenfasnacht war eine
Begebenheit, die sich im fünfzehnten Jahrhundert
ereignete: Papst Johannes XXIII. kam auf seiner
Flucht von Konstanz nach Ermatingen. Hier bekam er
ausser Brot und Wein auch Groppen zu essen. Und sie
sollen ihm ausgezeichnet gemundet haben. Aus
Dankbarkeit soll Johannes XXIII. den Ermatingern
einen Feiertag als Volksfest geschenkt haben.
Seither feiern die Ermatinger am Lätare-Sonntag,
drei Wochen vor Ostern, zu Ehren des Groppes «die
letzte Fasnacht der Welt». Im kommenden Jahr findet
die 591. Auflage dieses Festes statt.
«Die Groppen sind eine Art kleiner gefrässiger
Raubfische, die sich mit Vorliebe im moosigen Grund
des seichten Untersees bei Ermatingen aufhalten und
nur hier zur Frühlingszeit gefangen werden. Das
grosse Schleppnetz der Ermatinger liefert oft auf
einen Zug eine Beute von 20 000 Stück dieser
schmackhaften Seebewohner, die lebend bis zu ihrem
Ehrentag aufgespart werden, um dann, mit Salz
bestreut und in Pfannen gebraten, als seltene
Delikatesse verspeist zu werden», schrieb Franz
Wichmann im Jahr 1897.
Wer die ganze Geschichte der Ermatinger
Groppenfasnacht kennen lernen möchte, klickt sich
einfach in diesen Link:
http://www.groppenfasnacht.ch/index2.html
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