|
Plattfischangeln am Sletterhage Fyr im
Mai 2008


Auch
dieses Jahr haben wir uns im Wonnemonat Mai wieder
für das „Plattfisch-El Dorado“ in Ost-Jütland am
Leuchtturm von Sletterhage entschieden, weil die
letzten Jahre uns diese Stelle doch um etwa die
gleiche Zeit hervorragendes Angeln sowie auch
außergewöhnliche Fänge bescherte. Nur sind wir
diesmal nicht wie üblich mit 5 sondern nur mit 3
Personen Richtung Dänemark aufgebrochen, weil 2 Mann
aus privaten bzw. beruflichen Gründen leider
verhindert waren. Natürlich haben wir auch wieder
den Weg über Süd-Holland gewählt, da die
Seeringelwurmpreise sich leider in der dänischen
Region Djursland nicht geändert haben und immer noch
utopisch hoch sind, daß man nur noch mit den Ohren
schlackern kann. Sind also bei herrlichstem
Frühsommerwetter am Freitag, 2. Mai morgens Richtung
Wilhelminadorp zu der Seeringelwurmzuchtstation
aufgebrochen, die wir ohne jeglichen Stau gegen
Mittag erreichten. Da wir ja diesmal nur 3 Mann
waren, haben wir uns für die 6 Angeltage mit 6 Kilo
Seeringler dort eingedeckt.

Weil wir
aber nach dem Würmereinkauf erst wieder nach Hause
fahren und die Reise Richtung Norden erst ganz früh
am Samstagmorgen antreten wollten, haben wir uns
diesmal die Ringler zu 250 anstatt 500 Gramm pro
wassergefüllten Plastikbeutel abfüllen lassen, weil
die Kneifer so ganz locker 24 Stunden in ihrem mit
Kohlefilter versehenem kühlen Nass, ohne jeglichen
Schaden zu nehmen, aushalten können. Somit nahmen
wir 24 mit Ringler gefüllte Wasserbeutel, jeweils 12
Stück in einer großen Styroporkiste mit viel Eis
verpackt, erst mal mit in Richtung Bergisch
Gladbach.

Dort
angekommen wurden sie die Nacht über in den kühlen
Keller verfrachtet. Am Samstagmorgen um 6:00 Uhr
ging es dann mit unserem alten Transit, der bis
unter das Dach bepackt war, auf in Richtung Ebeltoft,
wo wir den Ferienhausschlüssel abholen mussten.
Unterwegs hatten wir keinerlei Probleme oder Staus,
auch am Elbtunnel in Hamburg nicht, und haben nach
8,5 Stunden Fahrt um 14:30 Uhr das Büro unseres
Ferienhausvermieters erreicht. Den Schlüssel in
Empfang genommen und ab ging es zu unserem 25
Kilometer entfernten Haus am Sletterhage-Strand.
Dort angekommen wurden erst mal wie es sich gehört
die Würmer versorgt und in ein Hälterungsbecken mit
50 Liter Kattegat-Wasser verfrachtet sowie die
Ration für den ersten Angeltag in einer Kiste mit
Meerestorf im Kühlschrank gelagert.


Nach dem
Entladen des Transits und dem Auspacken der ganzen
Utensilien ließen wir es uns gut gehen, in dem wir
die hauseigene Sauna sowie den schönen großen
Whirlpool benutzten und machten anschließend unser
Brandungsgeschirr für den Sonntag schon einmal klar.
Am Sonntagmorgen dann in aller Ruhe ausführlich
gefrühstückt und am späten Vormittag ging es dann
mit 1 Kilo Ringler sowie den Brandungsutensilien
bewaffnet an den Kiesstrand am Sletterhage Fyr.

Obwohl
schon einige Angler, alles Holländer, große Teile
des Strandes besetzten, war die beste Stelle
komischerweise noch frei und wir bauten dann dort
selbstverständlich unsere Dreibeine auf. Das Wetter
war absolut traumhaft und das Wasser war glasklar
und so glatt wie ein Kinderpopo und wir hatten schon
die Befürchtung, dass unsere platten Freunde wohl
bei diesen Bedingungen nicht so beißfreudig sein
würden. Aber es sollte alles ganz anders kommen. Die
„Tripple-JoJo-Paternoster“ mit jeweils 3 Ringlern
bestückt und ab gingen die Vorfächer Richtung
Horizont.

Es
dauerte nicht mal eine Minute und an all unseren
Ruten waren eindeutige Plattfischbisse zu erkennen.
Einfach unglaublich und wir schauten uns an und
waren absolut fassungslos, daß die Plattfische bei
solchen Bedingungen, wo an der Nordsee kein Schwanz
zu fangen gewesen wäre, in absoluter Beißlaune
waren. Es waren auch keine Eintagsfliegen und die
Fische bissen immer weiter und meine beiden
Rutenspitzen zuddelten fast konstant im Duett. Es
war wirklich der Wahnsinn der da abging und wir
fingen richtig schöne Klieschen und große Flundern.
Wir waren echt im totalen Fieber und solch ein
extremes Beißverhalten der Plattfische haben wir in
den Jahren zuvor auch noch nie gehabt. Wir hatten
insgesamt „18 Mal Full-House“, also alle 3 Haken auf
einmal besetzt,

und die
Dubletten haben wir erst gar nicht gezählt. Mit
insgesamt 115 Fischen (90 Flundern / 21 Klieschen /
2 Schollen / 2 Seeskorpione) war das der beste Tag
den wir je dort verbuchen konnten und das war mal
wieder Brandungsangeln in Reinkultur und wie man es
vor 20 Jahren auch noch an der holländische Küste
erleben konnte.

Nach
genau 7 Stunden waren wir doch durch das Angeln bzw.
durch das andauernde Werfen sowie Einziehen und auch
die ununterbrochene Sonneneinstrahlung völlig
erschöpft und haben, obwohl die Fische immer noch
weiter bissen, einfach aufgehört, weil auch
zusätzlich der Würmerbestand zur Neige ging. Es war
einfach ein grandioser Angeltag, den man auch dort
nicht so schnell noch einmal erleben wird, und an
dem einfach alles passte, bis auf die ersten
Anzeichen eines Sonnenbrandes an den Armen und im
Gesicht, weil man einfach keine Zeit hatte sich mit
der mitgeführten Sonnencreme neu einzuschmieren.
Auch der zweite Angeltag, wo wir auch wieder ab
mittags den Plattfischen nachstellten, ging so los
wie der erste Tag geendet hatte, nämlich mit
ununterbrochenen Bissen und anschließenden
Fischerfolgen. Die Sonne und der blaue Himmel sowie
das glasklare und absolut ruhige Wasser waren auch
wieder da, aber es hat unsere platten Freunde auch
an diesem Tag einfach nicht gestört und sie waren
Gott sei Dank wieder in totaler Beißlaune. Das ging
ca. noch 2 Stunden so weiter und urplötzlich wie aus
dem Nichts tauchten plötzlich riesige Mengen von
schmierigem sowie schleimigem Grünzeug auf, was sich
natürlich direkt an der geflochtenen Schnur und
anschließend beim Aufziehen im Spitzenring
festsetzte und auch durch Schütteln der Rute nicht
abzubekommen war. Somit war ein normales Aufziehen
absolut nicht mehr möglich und wir mussten uns
gegenseitig helfen, die ausliegenden Schnüre per
Armkraft einzuholen. Auch das Entfernen der
teilweise großen Mengen des glitschigen Grünzeugs
war recht zeitaufwendig und wir ließen in dieser
extremen Grünzeugphase von ca. 1,5 Stunden die Ruten
erst mal draußen. Auch rüsteten wir in dieser Zeit
unsere Rollen von Geflochtener auf Monofile um, weil
diese einfach glatter ist und sich dadurch weniger
Grünzeug an der Schnur festsetzen sollte, was sich
auch anschließend bestätigte. Nach dem Spuk mit den
riesigen Mengen an Grünzeug waren urplötzlich auch
die Fische wieder da und bissen als wäre nichts
geschehen, was in ihren Augen wahrscheinlich auch so
war.

Hatten
nach etwas über 6 Stunden reiner Angelzeit doch noch
ein super Fangergebnis hingelegt. Mit 80
Plattfischen (71 Flundern / 6 Klieschen / 2 Schollen
/ 1 Mini-Steinbutt) war es immer noch ein
exzellenter Angeltag.

Die
Ernüchterung kam dann nach dem abendlichen
Fischesäubern

und
anschließendem Einräumen in unsere mitgebrachte
Gefrierbox. Diese war nach 2 Tagen restlos voll und
wir mussten nun den Gefrierschrank unseres
Ferienhauses benutzen. Hatten Gott sei Dank noch für
den Fischtransport nach Hause die beiden großen
Styroporkisten der Würmer, allerdings war uns jetzt
schon klar das wir uns bei weiteren solchen Fängen
fischmäßig einschränken mussten. Das taten wir auch
ab dem 3. Tag und setzten alle nur leicht gehakten
Fische sofort zurück. Als ob es die Natur gewusst
hätte, hat sich an dem darauf folgenden Tag die
südöstliche Strömung geändert und der leichte Wind
kam an diesem Tag aus westlicher Richtung und auch
die mäßige Unterströmung trieb nicht mehr von links
nach rechts sondern von rechts nach links. Dies
bedeutete, dass die Plattfische nicht mehr so
enthusiastisch bissen sondern sich immer nur ganz
vereinzelt, wie das eigentlich auch normal ist, an
der Rutenspitze bemerkbar machten. Somit war das
gegenüber den Vortagen ein richtig ruhiges sowie
relaxes Angeln. Konnten dabei auch noch 2 richtig
schöne Schollen (37 und 38cm) davon überzeugen, dass
sie ihr kühles Nass verlassen sollten.

Desweiteren haben wir eine größere Menge an Fisch an
zwei nette Ehepaare aus Mecklenburg-Vorpommern
verschenkt, die sich darüber sehr freuten und uns
vorher stundenlang zugeschaut hatten. Obwohl die
Fische nicht mehr so beißlustig wie an den Vortagen
waren, konnten wir doch noch 40 Plattfische (28
Flundern / 10 Klieschen / 2 Schollen) verhaften.
Dadurch hatten wir auch mal einen Abend weniger
Fische zu säubern und konnten so noch einmal die
Annehmlichkeiten der Sauna und des Whirlpools
ausgiebig genießen.

Am
Mittwoch herrschte dann wieder die
plattfischunfreundliche westliche Strömung vor und
wir konnten von 13:30 bis 17:30 Uhr gerade mal gut
20 Plattfische erbeuten.



Hatten
uns eigentlich schon auf einen nicht so fischreichen
Tag eingestellt, als sich dann auf einmal die
Strömung wieder auf eine südöstliche änderte und wie
von Geisterhand die Fische plötzlich wie an unserem
ersten Tag anfingen zu beißen. Wir haben dann
innerhalb von 2,5 Stunden genau 50 Plattfische
gefangen, wo von wir einen Großteil allerdings
zurückgesetzt oder an die neben uns stehenden
Holländer verschenkt haben. Zum Schluss waren es
doch noch sagenhafte 71 Plattfische (55 Flundern /
16 Klieschen) geworden und auch an diesem Standort
spielen bestimmte Strömungsverhältnisse doch eine
große Rolle, ob man nun gut oder doch sehr gut
fängt.

Am darauf
folgenden Tag war wieder bei unserem mittäglichen
Eintreffen am Kiesstrand von Sletterhage die
ungünstige westliche Strömung angesagt und die
Fänge, mit noch nicht mal 20 Plattfischen in knapp 5
Stunden, waren doch recht ernüchternd. Doch genau
wie am Vortag setzten plötzlich gegen 18:30 Uhr mit
wind- bzw. Strömungswechsel die Beißattacken wieder
ein und wir konnten uns vor wackelnden Rutenspitzen
kaum retten. Haben aber trotz des Beißwahnsinns der
Plattfische das Angeln nach einer gewissen Zeit
eingestellt, damit wir an unserem letzten Angeltag
auch noch einige Fische mitnehmen konnten. Mit der
Ausbeute von 46 Plattfischen (39 Flundern / 6
Klieschen / 1 Scholle) bei den nicht so guten
Bedingungen waren wir total zufrieden.

An
unserem letzten Angeltag haben wir dann mal eine
andere Angelstelle ausprobiert, die ca. 300 Meter
vom Sletterhage Fyr entfernt ist. Dort steht ein
alter Bunker und genau neben den haben wir uns
platziert.


Um es vor
weg zu nehmen, diese Stelle ist absolut nicht
lohnenswert und es ist fast nicht zu glauben, dass
in einer Entfernung von gerade mal 300 Meter dort
kaum noch Fisch anzutreffen ist. Wir haben zwar dort
auch ein paar von Flunder & Co. überlisten können,
aber es war anglerisch und vom Beißverhalten der
Fische überhaupt kein Vergleich zu dem Strandstück
vor dem Leuchtturm von Sletterhage. Haben trotzdem
noch 16 Plattfische (15 Flundern / 1 Kliesche)
landen können, aber diese Stelle am Bunker wird uns
in den nächsten Jahren nicht mehr wieder sehen.

Alles in
Allem war das wieder ein Plattfischwahnsinn der da
in der einen Woche abgelaufen ist und in der
heutigen Zeit gibt es wohl kaum einen besseren
Brandungsstandort, wo man wirklich bei den
verkapptesten sowie eigentlich widrigsten
Verhältnissen mit Dauersonnenschein, klarem Wasser
und so genannten Ententeichverhältnissen so viele
Plattfische fangen kann. Der Kiesstrand vom
Sletterhage Fyr ist einfach nur ein absoluter
Superstandort um dort die Brandungsruten zu
schwingen und diesmal hat uns diese Strecke 366
Plattfische (298 Flundern / 60 Klieschen / 7
Schollen / 1 Steinbutt) sowie 2 Seeskorpione
überlassen. Mehr muß man dazu wohl nicht mehr sagen.

Die
mitgenommen Fische haben bei unseren Bekannten und
Verwandten schon reißenden Absatz gefunden und ich
selber besitze noch ca. 40 Stück, wo von der größte
Teil wohl dem Räucherofen zugeführt wird, weil mir
so die Plattfische eindeutig am besten schmecken.
Zum
Schluß möchte ich noch was zu den von uns getesteten
„Mustad-Circle Hooks Extra Fine Wire“ sagen, weil
das Thema ja hier im Forum gelaufen ist und ich
versprochen hatte, etwas darüber zu schreiben. Wir
haben diese spezielle Haken an einigen Tagen
getestet und jeweils einen Triple-JoJo-Paternoster
damit ausgestattet. Zum Vergleich war jeweils der
andere JoJo mit ganz normalen VMC- oder
Mustad-Butthaken (sind absolut identisch) bestückt.
Erhofft haben wir uns durch den Einsatz der Circle
Hooks, daß die Plattfische doch sehr viel weniger
die Haken schlucken würden. Das war leider fast
überhaupt nicht der Fall und der Prozentsatz der
optimal gehakten Fische war schwindend gering, so
daß beim aktiven Fischen auf die Plattfische, also
mit direktem Anschlagen nach dem Biss, mit den
normalen Butthaken ein höhere Trefferquote erzielt
wurde. Ein weiteres Problem ist das Lösen der
geschluckten Kreishaken im Plattfischschlund, da sie
doch ziemlich breit sind und es immer ein ziemliches
Gefummel ist, diese aus dem Rachen der Fische zu
bekommen. Da ist das Lösen der normalen sowie
schmäleren Butthaken auch viel einfacher. Auch das
Beködern der Circle Hooks ist durch die seitlich
abstehende Hakenspitze etwas ungewohnt und auch
umständlicher gegenüber normalen Haken. Fazit: Die
Kreishaken mögen ja auf bestimmte Fischarten ihren
Einsatz rechtfertigen, aber bei gierigen
Plattfischen sind sie völlig deplaziert. Es war
einfach nur enttäuschend, dass sie Ihrer Funktion
nicht nachgekommen sind und die Haken fast nie in
der Lippe des Fisches saßen. Zusätzlich machen sie
noch wie beschrieben unnötige Mehrarbeit und das war
wohl das letzte Mal, daß wir die Circle Hooks beim
Plattfischangeln dort und überhaupt benutzt haben.

Gruß
Klaus (IjmTex) und vielleicht sind ja im nächsten
Jahr auch noch ein paar andere Forumsmitglieder mit
dabei.
Ihr habt ein paar schöne Fotos gemacht?
Dann schreibt doch einen kleinen Bericht dazu.
Wir veröffentlichen gern auch eure Erlebnisse rund
um die Fischwaid
Kontakt:
info@angelmagazin.com
Das
Juni Magazin als PDF
Copyright:
www.angelmagazin.com
Noch Fragen zum Bericht?
In unserem
Forum stehen euch die Autoren mit Rat und Tat
zur Seite.
|